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Angst - Das verzogene Kind!

 
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msky



Anmeldungsdatum: 12.03.2008
Beiträge: 30
Wohnort: duisburg

BeitragVerfasst am: 14.03.2008 15:48    Titel: Angst - Das verzogene Kind! Antworten mit Zitat

Hallo.

"Du musst dagegen ankämpfen!", "Lass Dich nicht unterkriegen!",
"Endlich Angstfrei..., und nie wieder leiden...!".
Mit diesen gutgemeinten Worten versucht man die Angstleidenden in
die harte Welt zurückzuschicken, damit sie gegen ihren inneren
"Tyrann" zu kämpfen wagen. Alles schön und gut.
Aber das Problem ist, dass die Angst mit einem "Pfui-Bah-Image"
behaftet wird, was sie für uns zu einem vermeidungswürdigen
Begleiter macht. Indem wir die krankhafte Angst um alles in der Welt
wieder loswerden wollen, bekommt sie eine böse Seele. Und dabei
vergessen wir eines: Die Angst ist ein Teil eines jeden Lebewesens!
Angst ist der engste Verbündete jeder Kreatur. Machen wir sie uns
zum Feind, wendet sie sich gegen uns. Dann erledigt sie ihren Job
wie ein miesgelauntes Kind, das schnaufend Pilze und Blumen
am Wegesrand platttritt. Und jemand der schlecht gelaunt ist, lässt
seine Wut an denjenigen aus, der grad in der Nähe ist. Und wir sind
unserer eigenen Angst näher wie kein anderer.

Wir müssen lernen die Angst zu akzeptiern, mit ihren Höhen und
Tiefen. Manchmal spielt sie uns einen Streich. Die im Grunde harmlosen
Symphtome werten wir als Gefahr ab, die wir uns nicht erklären
können. Schon hat man das Gefühl unnormal zu sein und macht
sich unentwegt Gedanken. Man horcht in sich hinein, weil man ja
unnormal ist. Und man zwiebelt seinen leicht reizbares "Angstkind"
geradezu zu schlechter Laune. Und schon folgt wieder ein Streich.
Die Angst tobt sich aus. Es ist nichts weiter, als ein Ventil der Seele.

Wenn Sie wieder unerklärbare Angst verspüren, reden Sie davon
wie ein Kind mit einer manchmal anstrengenden Persönlichkeit:
"Was hat sie denn jetzt schon wieder?". Und was tut man mit einem
schlecht gelaunten Menschen, der seine Laune ablässt? Man ignoriert
ihn. Zwar ist das schwierig, wenn das miesgelaunte Kind einem
unangenehme Sachen an den Kopf wirft (was auch manchmal nicht
leicht zu ertragen ist), aber es ist reine Gewöhnungssache für beide:
Für die Angst und für den Leidenden.

So wie ein Streit an Itensität verliert, verliert sich auch die Angst und
man wird immer stärker. Das merkt sich das "Angstkind" und gibt bald
die massiven Attacken auf. Ganz einfach deshalb, weil man dem Ganzen
weder Öl ins Feuer nachgießt, noch die Sache für so wahnsinnig drama-
tisch emporhebt.

Es ist zu Anfang nicht leicht, aber man muss seine "verlernte" Angst,
die man als etwas Böses ansieht, wieder zu einem Freund machen,
der in wirklich brenzlichen Situationen unser Leben retten kann.
Und was kann daran schon böse sein?

Die meisten, die "geheilt" wieder durchs Leben springen, sind ihres
Lebens wieder froh - gut für diejenigen. Sie können sich kaum noch
daran erinnern, wie Angst sich anfühlt - auch gut. Nur sie vergessen
aber auch die Grundsätze, mit denen sie der Angst Einhalt geboten
haben. Sie sind die Angst als etwas Ablehnungswürdiges wieder los-
geworden. Genau das ist das fatale: Angst = schlecht (vermeiden!!!)
Wenn nun jemand wieder mal eine schwerere Angstattacke bekommt,
hat derjenige wieder alles vergessen, wie furchtbar sich das anfühlt und
wie man dagegen angeht. Denn es ist ja etwas Böses. Und schon
fühlt man sich wieder vom Teufel besessen.
Wenn man aber der Angst beigebracht hat, sich auch als Freund zu
verhalten, dann ist es auch nichts böses mehr. Nur etwas, was sich gerade
mal wieder daneben benimmt. "Soll sie sich austoben - die kommt
auch wieder runter!". Man versteht die Angst als ein Teil von sich.
"Sie ist nicht böse, also passiert mir nichts!". Auch wenn die Angst auch
mal etwas länger oder häufiger rummuckt - jeder von uns kann sich
auch nicht gerade mit immer netten Launen rühmen. Aber dieses
launische Kind liebt Sie - es würde Sie niemals in Stich lassen,
schon gar nicht in einer echten Gefahrensituation. Das kann Ihnen
das Leben retten - was ist daran böse, bitteschön?

Es ist nur nicht nett, wenn das Kind kichernd immer wieder den Alarm-
knopf drückt und einen damit zum Wahnsinn treibt. Bringen Sie Ihre
Angst dazu sich zu benehmen. Sich so zu verhalten, wie sie sich
von Natur aus verhalten sollte. Ermutigen Sie sie nicht, indem Sie
auch noch auf ihre "Streiche" reagieren. Ein tobendes Kind beruhigt
sich auch wieder, wenn man einfach nicht drauf eingeht. Das ist
schwierig, aber reines Training. Angst werden wir immer haben,
unser ganzes Leben - das ist auch gut so. Sonst wären wir Monster!
Nur dürfen wir es nicht als böses Kind abtun, nur weil es manchmal
rummuckt. Wir können aber damit ein schönes Leben haben,
wenn man mit dem Angstkind richtig umzugehen weiß.

Was glauben Sie denn, warum Phobiker mit ihrer Angst knallhart konfron-
tiert werden und daran genesen? Ganz einfach:
Das "unerzogene Kind" wird vor klare Tatsachen gestellt und erzieherisch
einer Lehre ausgesetzt. Durch die Konfrontation wird dem Phobiker
das "Böse" der Angst entzogen. "Die "böse" Spinne ist ja gar nicht
böse, sondern sie krabbelt ganz friedlich über meine Hand. Und zudem
sieht sie ja eigentlich hübsch aus - irgendwie...!".
Schon ist das unerfahrene Angstkind eine Erfahrung reicher und eine
Last ärmer.

Vergeuden Sie keine bösen oder ablehnenden Gedanken gegen Angst.
Bringen Sie sich und ihrem Angstkind bei, miteinander zu kooperieren.
Sagen Sie: "Wenn Du rumpalaverst, ignoriere ich Dich. Wenn Du brav
bist und Deine eigentlichen Aufgaben erfüllst, sind wir zwei die besten
Freunde - für den Rest unseres gemeinsamen Lebens!"

Dies hat mich und meine Angst zusammengeführt und das Leben
wieder erhellen lassen. Zwar mit manchmal wiederkehrenden, ziemlich
schwachen Streichen, aber das ist oft so banal, dass ich lächelnd
über die Sache verzeihend hinwegblicken kann.

In diesem Sinne,
msky
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Gertraude



Anmeldungsdatum: 28.02.2008
Beiträge: 169

BeitragVerfasst am: 18.03.2008 10:55    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo msky,
das ist ein sehr interessanter Beitrag...
_________________
Mit Wünschen sollte man vorsichtig sein
- sie könnten wahr werden.
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