Angst-Forum
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...bis dahin war es ein schmerzlicher, schwerer Weg
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Gertraude



Anmeldungsdatum: 28.02.2008
Beiträge: 169

BeitragVerfasst am: 01.03.2008 00:43    Titel: ...bis dahin war es ein schmerzlicher, schwerer Weg Antworten mit Zitat

Vor einigen Jahren begannen diese "Anfälle": Ich fing aus unerfindlichen Gründen immer mal plötzlich an zu zittern und zu frieren, mir war ganz komisch und das machte mir wahnsinnige Angst. Durch diese Angst verstärkten sich die körperlichen Symptome noch und es wurde ein Teufelskreis. Ich dachte dauernd, "ich sterbe wohl jetzt?!" oder "Jetzt werde ich wohl auch noch verrückt, entsetzlich!". Das steigerte die Intensität der Angst natürlich noch.

Ich bin in medizinischen Dingen ein interessierter Laie und konnte mir aber die körperlichen Symptome nicht wirklich erklären.
Es hat länger gedauert, bis mir langsam klar wurde, daß diese Symptome wohl nur psychische Ursachen haben und nicht körperliche.

Bis dahin war es ein schmerzlicher, schwerer Weg.

Ich vermutete zuerst immer, irgendwelche körperlichen Dinge funktionierten jetzt plötzlich nicht mehr (ich hatte mal Schilddrüsenkrebs und rechne deshalb durchaus mit irgendwelchen körperlichen Katastrophen) und nun würde ich vielleicht einen Notarzt brauchen, aber ich hätte gar nicht gewußt, was ich dem eigentlich sagen soll, außer, daß mit mir wieder unaussprechliche und sehr beängstigende Dinge passieren, denen ich mich völlig hilflos ausgeliefert fühle. Es war die Hölle! Ich dachte in der Zeit öfter, daß es vielleicht besser wäre, einfach tot zu sein.

Zu der Zeit wußte ich noch gar nicht, daß diese "Anfälle" etwas mit Angststörung zu tun haben, da kannte ich diesen Begriff noch nicht einmal.
Vor lauter Angst vor diesen unaussprechlichen Gefühlsorkanen hatte ich ein Gefühl für alle möglichen psychischen Störungen, von denen ich so gehört hatte, von Platzangst bis Zwangshandlungen und versuchte verzweifelt, mir mein neues "Verständnisvermögen" gleich wieder "abzugewöhnen". Das ist mir auch ganz gut gelungen. Es gibt tatsächlich Dinge, die man einfach nicht wissen muß!

Es gab auch Tagesabschnitte, wo meine Sinne (Sehen, Hören) alles etwas überdeutlich wahrnahmen. Nicht sehr stark aber es reichte, um erst eine Angstwelle und anschließend eine Depression auszulösen. Diese wirkte dann meist ein bis drei Tage, war aber immer noch besser als die große Beunruhigung, die mich durch die eingebildete oder wirkliche Sinnesverstärkung erfaßt hatte.
Ich habe versucht, ein Muster für das Auftreten meiner Probleme zu finden, aber so wirklich konnte ich nichts erkennen, außer eben, daß mich unvorhersehbare Ereignisse irgendwie emotional überfordern.

Das alles kann ich überhaupt so einigermaßen übersichtlich darlegen, weil mich diese Probleme schon seit ein paar Jahren heimsuchen und ich verzweifelt versucht habe, diesen ganzen emotionalen Unwettern Namen und Struktur zu geben.



Geholfen haben mir folgende Überlegungen, zu denen ich allerdings auch erst finden mußte:

- Was kann mir als Schlimmstes passieren? (Sterben oder "Klapse", aber da gibt es viele, die noch verrückter sind als ich)

- Diese Welt ist doch eigentlich so kaputt, ungerecht, entartet, da falle ich mit meinen verhältnismäßig kleinen Macken doch eigentlich gar nicht auf (Wer auf unnormale Umstände unnormal reagiert, ist normal)

- Eigentlich muß ich doch die Dinge, die um mich herum geschehen, einfach nur so nehmen, wie sie sind und nicht noch etwas hinzudichten und hineininterpretieren. Solange ich zwischen "Dichtung" und Wahrheit unterscheiden kann, bin ich doch eigentlich nicht verrückt, es ist nur eine Frage der Disziplin.

- Wahrscheinlich bin ich nur emotional sehr sehr unsicher und verunsicherbar und da kommen meine Probleme her, nicht aus einem nicht richtig funktionierenen Gehirn



Meine Pankikattacken habe ich inzwischen besser im Griff als noch vor anderthalb oder zwei Jahren. Aber ich habe sie eben immer noch ab und zu.
Die Panikattacken werden manchmal ausgelöst, wenn irgendetwas Unvorhersehbares eintritt, auch wenn es nichts Schwerwiegendes ist. Deshalb sind mir normale Alltage, die die meisten immer so langweilig und öde finden, eigentlich willkommen. Ich habe schon lange aufgehört, mich an ereignisarmen Alltagen zu stören.

Meine körperlichen Probleme sind (ab und zu) Schwächegefühl (Herz-Kreislauf), erhöhter Puls ohne körperliche Anstrengung, und täglich ca. 5mal Herzrhythmusstörungen.
Diese Herzrhythmusstörungen treten entweder kurz (einfach so, aber auch kurz nach Beginn einer körperlichen Betätigung wie z.B. Laubharken) oder auch länger auf (bei objektivem Streß, wie z.B. "schaffe ich den Bus noch?" oder auch eingebildetem Streß z.B. "hab schon so viel Zeit verplempert, muß jetzt unbedingt was SCHAFFEN!", aber auch bei freudigen Ereignissen wie z.B. einem besonderen Konzert mit bewegender Musik und Atmosphäre oder einfach nach körperlichen Anstrengungen, bei denen ich mich innerlich unter Streß setzte)
Manchmal kommt es mir vor, als würde ein "Turbo" angehen. Bis zu einer Streßsituation (mit oder ohne körperliche Anstrengung) bin ich ganz "normal", und schwupps plötzlich auf 180, vor allem, wenn ich emotional etwas "unaufgeräumt", unausgeglichen bin oder unkonzentriert.
Bei körperlicher Anstrengung "warte" ich inzwischen schon fast darauf, Herzrhytmusstörungen zu bekommen. Bin ich innerlich ausgeglichen, klopft mein Herz zwar schneller, aber gleichmäßig, so, wie es normal ist.
Manchmal "stolpert" mein Herz auch ohne besonderen Streß mal kurz, dann bekomme ich kurz etwas Angst und dann ist es auch schon wieder vorbei. Da ich so etwas schon etwas länger kenne, macht es mir nicht mehr soviel Angst wie früher.

Wesentlich schlimmer sind die Situationen, wo ich Streß habe wie z.B. den Bus zu kriegen, hab ihn dann erreicht und sitze drin, aber das Herz will sich nicht mehr beruhigen und schlägt ungleichmäßig. Ich versuche dann, mich innerlich zu beruhigen, damit sich der Herzschlag wieder normalisiert, aber das gelingt mir nicht so bald, und dann bekomme ich wirklich Angst! Es hat also nicht unbedingt etwas mit rationalen Gedankengängen zu tun, oft ist es z.B. gar nicht so wichtig, ob ich DEN Bus noch erreiche, denn der nächste Bus kommt bestimmt. Den "Turbo" kann ich nicht wirklich steuern, ich versuche natürlich soweit wie möglich Streßsituationen zu vermeiden, aber im Leben kann man das nicht immer. Außerdem habe ich das Gefühl, daß ich mir unbewußt selber mehr Streß mache, als es einer Situation angemessen wäre, ich erzeuge den Streß sozusagen selbst, z.B. wenn ein mir nahestehender Mensch einen Termin hat.

Auch wenn ich vielleicht ungewollt überreagiere, aber Streß ist wohl für alle Menschen ein ganz großes Übel!

Bisher war ich übrigens noch nicht bei einem Psychodoc, spiele aber mit dem Gedanken...
_________________
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Zuletzt bearbeitet von Gertraude am 13.03.2008 22:22, insgesamt einmal bearbeitet
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Michi69



Anmeldungsdatum: 09.07.2006
Beiträge: 921
Wohnort: Nürnberg

BeitragVerfasst am: 02.03.2008 08:34    Titel: Willkommen Antworten mit Zitat

Hallo gertraude,
zunächst will ich dich erst mal herzlich Willkommen heißen.Fühl dich wohl bei uns.Les dich durch und klingt dich einfach ein .

Ich muß gestehen das ich im Moment noch keinen Kopf hatte deinen Bericht zu lesen,tu mich gerade was Konzentration betrifft schwer.Ich werd das sicher noch tun wenn ich mich bissl besser fühle.Nicht bös sein ja.Wollt aber zumindest Hallo sagen.

Einen schönen Sonntag Gruß Michi Smile
_________________
Ein langer Weg ein harter Kampf,egal welches Leben,alles macht Sinn,es ist halt mein Schicksal und nun bin ich wie ich bin.
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Gertraude



Anmeldungsdatum: 28.02.2008
Beiträge: 169

BeitragVerfasst am: 03.03.2008 13:36    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ich bin sehr froh, dieses Forum gefunden zu haben. Endlich merke ich, daß es WIRKLICH nicht nur mir so geht mit dieser Angst. Das mag banal klingen, hat aber ungeheuer großen Einfluß auf meine Sicht zur Problematik.
Und schon habe ich auch was Positives zu berichten: Gestern wieder die klassische Streßsituation, mein Zug fährt in 4 Minuten, ich muß noch schnell eine Fahrkarte kaufen und bin noch nicht mal im Bahnhofsgebäude. Weiß zwar genau, wo mein Zug fährt und was ich in den Automaten eintippen muß, habe sogar das Geld total passend, könnte also durchaus klappen. Normalerweise hätte ich wieder Herzrhythmustörungen bekommen - aber gestern erstmalig nicht! Es schlug zwar schnell (durch den Streß und weil ich mich beeilt habe), aber ganz normal. Und DAS liegt daran, daß ich dieses Forum gefunden habe.
Danke!

PS: den Zug hab ich auch noch erreicht Wink
_________________
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englein



Anmeldungsdatum: 28.01.2008
Beiträge: 311

BeitragVerfasst am: 03.03.2008 15:01    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Gertaude
es ist doch wunderschön das dir das forum helfen konnte.es tut doch gut wenn man weiss das man nicht allein ist--du bist nicht allein guck mal alles foris die mit dir sind.
hab noch einen schönen entspannten tag.
_________________
LG-englein
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hexchen



Anmeldungsdatum: 14.02.2008
Beiträge: 448

BeitragVerfasst am: 03.03.2008 15:32    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Gertraude,
jetzt hab ich endlich Deinen Bericht bis zum Ende gelesen *schäm*, bin so aufgekratzt zur Zeit. Wie schön, dass Dir das Forum auch gut tut! Mir geht das auch so, ich bin auch erst seit kurzem hier.
Die Herzraserei haben wahrscheinlich fast alle hier. Das Gefühl, es holpert manchmal, hab ich auch zeitenweise. Ist alles untersucht worden, aber war nix, alles okay. Ich versuche, es nicht mehr so ernst zu nehmen oder als Zeichen, dass mal wieder was zuviel ist. Was will mein Herzlein mir sagen? -
Ich bin erstaunt, wie gut Du selber die Situation analysierst! Und das mit dem Bus ist ein schöner Erfolg! Very Happy Vielleicht kommen wir ja beide hier im Forum noch ein Stückchen weiter!!
Das wünscht
das hexchen
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