harryhaller
Anmeldungsdatum: 28.06.2007 Beiträge: 10
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Verfasst am: 16.07.2007 16:41 Titel: burleske autobiografie von mark twain |
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hi
habe zwar keinen witz auf lager aber dafür eine kurzgeschichte von mark twain die mich immer wieder zum schmunzeln bringt
burleske autobiographie
von
mark twain
da zwei oder drei leute zu verschieden zeiten angedeutet haben, sie würden, wenn ich eine autobiographie schriebe, diese lesen, falls sie die muße fänden, gebe ich schließlich diesem brenneden allgemeinen verlangen nach und unterbreite hiermit meine lebensgeschicht.
einem edlen und altem hause entstamme ich. es reicht weit zurück in das altertum. der älteste ahn, von dem die twains irgendwelche kunde haben, war ein freund der familie mit namen higgins. das war im elften jahrhundert, als unsere sippe in aberdeen, grafschaft cork, in england lebte. aus welchem grunde unsere lange geschlechterfolge statt des namens higgins seitdem stets den mütterlichen trug (nur hin und wieder nahm einer spasseshalber zuflucht zu einem falschen namen, um der narrheit vorzubeugen), ist ein geheimniss, an das zu rühren keiner von uns je große lust hatte. es ist soetwas wie eine nebelhafte, schöne, romantische liebesgeschichte, und wir rühren nicht daran. so machen es alle alten familien. arthour twain war ein mann von beträchtlichem ansehen – ein sachwalter der landstraße aus der zeit des william rufus. mit ungfähr 30 jahren besuchte er eine jener hochfeinen alten vergnügungsstätten englands, namens newgate, um irgenwas zu besorgen und kam nicht mehr wieder. bei seinem aufenthalt dort starb er plötzlich.
augustus twain hatte um das jahr 1160 offenbar ziehmlich furore gemacht. er steckte immer voller späße wie selten einer; gewöhnlich nahm er einen alten säbel und schärfte ihn, ging in dunkler nacht an einen geeigneten ort und stieß den säbel durch die leute, die vorbeikamen, weil er sie springen sehne wollte. er war der geborene spaßvogel. doch allmählich trieb er es zu weit, und als er das erste mal dabei erwischt wurde, wie er einen der betroffenen ausnahm, entfernten die behörden das eine ende von ihm und steckten es auf eine hübsche hohe stelle auf temple bar, wo es sich gut sehenlassen und die leute betrachten konnten. keine andere stelle gefiehl ihm je so gut, und an keiner hielt er so lange fest.
für die nächsten zweihundert jahre zeigte der stammbaum der familie dann eine folge von kriegern – edle, hochgemute burschen, die stets singend in die schlacht zogen, gleich hinter der armee, und regelmäßig schreiend herauskamen, gelich vor der armee. damit ist der klägliche witz des alten toten froissart vernichtend zurückgewiesen, das unser stammbaum nie mehr als einen ast besaß und das dieser rechtwinkelig zur seite ragte und winters wie sommers früchte trug. im frühen fünfzehnten jahrhundert haben wir beau twain, gennannt „der gelehrte“, aufzuweisen. er schrieb ein wunderschöne hand. und er konnte jedermanns schrift sogetreulich nachahmen, das man sich einfach totlachen mußte, wenn man es sah. diese talent bereitete ihm unendliche freude. später aber ging er einen vertrage ein, für die landstraße steine zu berechen, und diese grobe arbeit verdarb seine handschrift. dennoch genoß er das leben die ganze zeit über, die er im steingeschäft war,was mit unwesentlichen unterbrechungen etwa zeiundvierzig jahre währete. er starb in den sielen. in allen diesen jahren wirkte er zu solcher zufriedenheit, dass ihm dieregierung stehts einen neuen vertrag gab, kaum das der alte eine woche abgelaufen war. er war das reinste lieblingskind. und immer hatten ihn die zunftgenossen ins herz geschlossen, und er war ein hervorragendes mitglied ihrer wohltätigen geheimgesellschaft, gennant die kettenbande. da haar trug er immer kurz, er besaß eine vorliebe für gestreifte anzüge und starb, betrauert von der regierung. das war ein schmerzlicher verlust für das land, denn er war in allem so regelmäßig.
einige jahre später haben wirden erlauchten john morgan twain. im jahre 1492 kam er als passagier mit kolumbus nach amerika. er scheint an unangenehmes, mürrisches wesen besesen zu haben. während der ganzen fahrt beschwerte er sich über das essen und drohte dauernd, an land zu gehen, wenn es sich nicht ändere. erwollte frisch alsen. es zog kaum ein tag über sein haupt dahin, an dem er nicht mit erhobener nase auf dem schiff herumtrödelte, sich über kolumbus mokierte und sagte, er glaube nicht, dass kolumbus wisse, wohin er fahre, oder dass er jemals schon dort gewesen sei. jedes herz an bord erbebte bei dem denkwürdigen ruf
„land in sicht“, nur seines nicht. er starrte eine weile durch ein stück geschwärztes glas auf den feinen strich, der in der ferne über dem wasser lag, und
sagte dann: “quatsch, land – ein flos ist das!“
als dieser fragwürdige passagier an bord kam, hatte er weiter nichts bei sich als eine alte zeitung, in die er ein taschentuch, gezeichnet bg, eine baumwollene socke, gezeichnet lwc, eine wollsocke, gezeichnet df, und ein nachthemd, gezeichnet omr gewickelt hatte. und doch regte er sich während der reise mehr wegen seines „koffers“ auf und machte mehr getue damit als alle passagiere zusammen. wenn das schiff kopflastig war und sich nicht steuern ließ, ging er hin und bewegte seinen koffer weiter nach achtern, und wartete ab was passierte. wenn das schiff achtern wegsackte, empfahl er kolumbus, ein paar leute abzukommandieren, die das gepäck verlagern sollten. bei sturm mußte er geknebelt werden, denn bei seinem gejammer um den koffer war es den leuten unmöglich, die befehle zu verstehen. es hat nicht den anschein, das der mann irgendwelcher schwerwiegenden unziehmlichkeiten offen beschuldigt wurde, aber im logbuch ist als „merkwürdiger umstand“ niedergelegt, dass er sein gepäck, obwohl er es in zeitungspapier an bord brachte, in vier koffern, einem großen packkorb für cremefarbenes wedgwood-porzellan und ein paar champagnerkörben an land schaffte. als er jedoch zurückkam, und in unverschämter, prahlerischer weise zu verstehen gab, dass ihm verschieden sachen fehlten, und er sich daran machte, das gepäck der anderen passagiere zu durchsuchen, da war das maß voll, und man warf ihn über bord. lange schuaten sie verwundert aus, obe er wieder hochkäme, aber nicht einmal eine blase zeigte sich auf dem ruhigen verebbenden Wasser. doch während jeder gebannt über die reling starrte und das interesse mit jedem augenblick wuchs, bemerkte man bestürzt, dass das schiff abtrieb und die ankerkette schlaff vom bug hing. in dem vergilbtenalten logbuch findet man nun folgende seltsame eintragung „alsobald ward kund, dass der lästige passagier hinabgefahren war zu dem anker, und er nahm diesen, ging hin und verschacherte ihn den vermaledeiten wilden aus dem inneren des landes und sprach zu ihnen, er habe ihn gefunden, der strolch.“
doch dieser vorfahre besaß gute und edleanlagen, und mit stolz erinnern wir uns daran, dass er der erste weiße war, der sich für das werk interessierte, die indianer zu zivilisieren und auf einen höheren stand zu heben. er baute ein geräumiges gefängniss und stellte einen galgen auf, und bis zu seinem letzten tag behauptete er mit genugtuung von sich, dass er einen zurückhaltenderen und erhebenderen einflu auf die indianer ausgeübt habe als alle anderen reformer, die jemals unter ihnen gewirkt hatten. an dieser stelle wird die chronik weniger offenherzig und gesprächig und schließt abrupt mit der mitteilung, der alte seereisende, sei sich ansehen gegangen, wie der galgen beim ersten weißen in tätigkeit trat, der in amerika gehängt wurde, und als er dort war, habe er verletzungen erlitten, die zu seinem tode führten.
der urenkel des „reformers“ blühte und gedie um sechzenhundertsounsoviel und ist unseren annalen als „der alte admiral“ bekannt, obgleich er in der gschichte ander titel führt. lange zeit befehligte er eine flotte schneller schiffe, d´gut bewaffnet und bemannt, und eistete große dienste, indem er handelsschiffe zur eile antrieb. schiffe, denen er folgte und auf die er sein adlerauge richtete, holten über den ozean regelmäßig eine gute zeit heraus. wenn ein schiff trotz allem, was er unternahm, immer noch bummelte, so wuchs sein unwille, bis er sich nicht mehr beherrschen konnte – und dann nahm er das schiff mit zu sich nach hause und behütete es sorglichst, in der erwartung, dass die besitzer es holen kämen, aber sie kamen nie. und er versuchte nun immer, den matrosen des schiffes die trägheit und faulheit auszutreiben, indem er sie zwang, kräftigende leibesübungen zu machen und ein bad zu nehmen. das nannte er „über bord springen“. allen zöglingen gefiel das. jedenfalls hattten sie nie etwas daran auszusetzetn, nachdem sie es probiert hatten. wenn sich die besitzer zu viel zeit ließen, ihre schiffe abzuholen, zündete sie der admiral an, damit das versicherungsgeld nicht verloren ging. in der fülle seiner jahre und ehren wurde dem prächtigen seebären der hals abgeschnitten. bis zu ihrem tode glaubte die arme witwe, dass man ihn hätte wieder zum leben erwecken können, wenn man ihn eine viertelstunde früher abgeschnitten hätte.
charles henry twain lebte in der zweiten hälfte des siebzehnten jahrhunderts und war ein eifriger, verdienter missionar. sechzehntausend südinsulaner bekehrte er und brachte ihen bei, dass ein hundezahnhalsband und eine brille als bekleidung nicht ausreichen, wenn man zum gotesdienst kommt. seine arme gemeinde liebte ihn über alle maßen, und als sein leichenbegräbniss vorüber war, erhoben sie sich alle gemeinsam (und gingen aus der gaststätte) und sagten mit tränen in den augen zueinander, dass er ein guter, zarter missionar gewesen sei und dass sie wünschten, es sei noch etwas von ihm da.
pah-go-to-wah-wah-pukketekeewis (der mächtige-jäger-mit-dem-schweinsauge-twain) zierte die mitte des achtzehnten jahunderts und half general braddock mit ganzem herzen, dem unterdrücker washington zu wiederstehen. es war dieser unser ahn, der hinter einem baumhervor siebzehnmal auf unseren washington feuert. soweit stimmt der schöne, abenteuerliche bericht in den belehrenden märchenbüchern; wenn aber der bericht dann weitergeht und es heißt, dass der von ehrfurcht ergriffene wilde bei der siebzehnten ladung feierlich sagte, dieser mann sei vom großen geist zu einer großartigen sendung auserlesen und er wage nicht, die frevlerische büchse noch einmal gegen ihn zu erheben, schwächt der bericht ernstlich die geschichtliche wahrheit ab. folgendes hat er nämlich
gesagt: „hat – hick – hat keinen zweck. der mann is’ so besoffen, der kannich lange genug stillstehen, bis’n einer trifft. ich – hick – kann’s mir nich leisten, mehr munizjohn auf ihn zu verplempern.“ desshalb also hörte er beim siebzehnten schuß auf, und das war ja auch ein guter, einfacher und nüchterner grund – ein grund, der sich uns durch seinen beredten, überzeugenden beigeschmack von wahrscheinlichkeit, den er besitzt, leicht anbietet.
die darstellung des märchenbuches hat mir immer wieder gefallen, nur störte mich dabei stehts die böse ahnung, dass jeder indianer, der bei braddocks niederlage ein paar mal auf einen soldaten feuerte (im laufe eines jahrhunderts wird aus zwei ganz leicht siebzehn) und ihn verfehlte, voreilig den schluss zog, dieser soldat sei vom großen geist zu einer großartigen sendung auserlesen; und desshalb habe ich irgendwie befürchtet, der einzige grund, weshalb man sich im falle washingtons daran erinnert und es bei den anderen vergessen hat, liegt darin, dass sich die vorhersage bei ihm erfüllte und bei den anderen nicht. Es gibt nicht genügend bücher auf der welt, um die prophezeihungen zu fassen, die indianer und andere unbefugte gemacht haben; aber den bericht aller prophezeihungen, die in erfüllung gegangen sind, kann ein mensch in den manteltaschen mit sich herumtragen.
nebenbei möchte ich hier bemerken, dass gewisse meiner vorfahren in der geschichte unter ihrem falschen namen so gründlich bekannt sind, dass ich glaube, es lohnt sich nicht bei ihnen zu verweilen oder der reihenfolge ihre geburt nach zu nennen. unter ihnen währen zu erwähen: richard brinsley twain alias guy fawkes, john wentworth twain alias sixteen-string jack, william hogarth twain alias jack sheppard, ananias twain alias baron von münchhausen, john george twain alias captain kidd; da sind dann noch george francis twain, tom pepper, nebukadnezar und bileams eselin – die gehören alle zu unserer familie, aber zu einem zweig, der sich von der ehrbaren, direkten linie ein bischen entfernt hat, zu einer seitenlinie also, deren mitglieder sich vom alten stamm haupsächlich dadurch unterscheiden, dass sie, um jene berühmtheit zu erlangen, nach der wir immer getrachtet haben, sich die erbärmliche gewohnheit zu eigen machten, ins gefängniss zu wandern, statt sich hängen zu lassen.
es ist nicht gut, wenn man seine autobiographie schreibt, die ahnenreihe zu nahe an die eigene zeit heran zu verfolgen – das sicherste ist, von seinem urgroßvater nur verschwommen zu reden und von da eine sprung zu sich selbst zu machen, was ich nun tue.
ich kam ohne zähne auf die welt – damit war richard III. besser dran als ich; aber ich kam ebenso ohne buckel zur welt, und darin war ich besser dran als er. meine eltern waren weder sehr reich ncoh auffallend ehrlich.
aber jetzt kommt mir ein gedanke. meine eigen lebensgeschichte würde sich gegen die meine vorfahren so zahm ausnehmen, dass es nur klug ist, sie ungeschrieben zu lassen, bis ich gehängt werde. wenn einige andere biographien, die ich gelesen habe, bei den vorfahren stehen geblieben wären, bis sich etwas ähnliches ereignet hätte, wäre das für das leserpublikum eine treffliche sache gewesen.
was halten sie davon? |
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