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Empathie - Fluch oder Segen?
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msky



Anmeldungsdatum: 12.03.2008
Beiträge: 30
Wohnort: duisburg

BeitragVerfasst am: 01.04.2008 10:26    Titel: Antworten mit Zitat

Nudl hat Folgendes geschrieben:
hab keine Idee wie man sowas kontrollieren kann. Du vielleicht???


Hi Nudl.

Also ein Patentrezept habe ich da leider nicht.
Sowas ist ein individuelles Erlebnis, was meiner Ansicht
nach wohl jeder anders empfindet. Selbst wenn ich Dir
z.B. "meine" empathische Welt erkläre, könntest Du
trotz hoher Empathie zwar nachfühlen, aber nur erahnen,
wie es in mir vorgeht. Umgekehrt ist es genauso.

Aber ich kann Dir nur aus Eigenerfahrung sagen,
dass mit dem Älterwerden (nicht erschrecken vor diesem
Wort) eine gefühls- und vernunftsmäßige Reife und
Weisheit entsteht. Ich habe gemerkt, dass ich mit den
Jahren besser abwägen kann, wann ich etwas bewirken
kann und wann nicht. Wann es sich lohnt und wann
nicht. Und woran ich an mich selber denken muss und
wann nicht - das kommt mit der Zeit und durch eigene
Erfahrung.

Doch eines habe ich nie abgelegt und werde ich nie ab-
legen: Meine Gefühle auszuleben! Schmerz, Trauer,
Wut und Freude geben mir das Gefühl wirklich ein lebendiges,
fühlendes Wesen zu sein, wenn ich sie nicht aus gesellschafts-
und "moralgründen" unterdrücken muss! Tue doch keinem weh!
Aber ich sehe nicht ein, Weinen zu unterdrücken, nur
weil mir auf den Senkel geht, dass z.B. Tibet wieder
überrannt wird und ich gerade bei Aldi daran denke und
ich wieder deshalb heulen könnte.

Das einzige was ich Dir anraten kann:
Bleib wie Du bist - akzeptiere und liebe Deine Schwäche,
die Deine Stärke ist. Und vertrau in die Zeit - sie wird
Dich weiter reifen lassen und irgendwann bist Du
sicherlich dazu in der Lage, Deine Schwäche als Stärke
zu empfinden - auch wenn es manchmal nicht leicht
sein mag.

msky winkt zu Nudl ganz dolllllllllllll rüber!!!!!!!! Very Happy
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Nudl
Gast





BeitragVerfasst am: 01.04.2008 11:55    Titel: Antworten mit Zitat

Wow..danke für deine Antwort. *einmal in Arm nehm und dolle drück*

Na dann werd ich mal schnell "Älter" damit ich reifer und weiser werde...Nein im Ernst, dass klingt sehr beruhigend.

Und wenn ich dich mal in Aldi treffe wenn du weinst, dann weine ich mit dir. Wink Und danach können wir zusammen lachen. Very Happy

Ich glaube mein Problem liegt wirklich darin, dass ich immer versuche gegen an zukämpfen und nicht akzeptieren will, dass es eben ein Teil von mir ist.

Und da ich auch erst im Sommer 2006 gerlernt habe Emotionen zu haben und zu zu lassen(außer heulen, dass ging schon immer), ist das absolutes Neuland für mich.


Ganz liebe Grüßle Nudl
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msky



Anmeldungsdatum: 12.03.2008
Beiträge: 30
Wohnort: duisburg

BeitragVerfasst am: 02.04.2008 09:47    Titel: Antworten mit Zitat

Hi.

Mir ist mit Schrecken aufgefallen, dass sich außer Nudl keiner zum
Thema gemeldet hat, was zwei Regeln untermauert:

1. Hypersensible sind Minderheiten

2. Diese Minderheiten fürchten die Offenbarung

Letzteres ist verständlich, wenn man die Reaktion und Intoleranz
der Öffentlichkeit auf solche Menschen in Betracht zieht. Aber ich
meine, dass das hier der letzte Ort wäre, wo man sich über
Minderheiten das Maul zerreisst.
Ein sehr guter Freund von mir (ebenfalls hypersensibel) schrieb
mir noch heute in der Frühe folgende Worte:

"Hochsensibel zu sein bedeutet wohl immer wieder verletzt zu werden.
Einfach weil man schneller an Grenzen stößt als andere. Aber auf der
anderen Seite haben Hochsensible Kräfte und Fähigkeiten, die bei
anderen eher rudimentär vorhanden sind: Intuition, Emphatie,
Phantasie, vielleicht auch Visionen.

Ich glaube, andere haben diese Fähigkeiten schon oft eher gefürchtet
als geschätzt. Hochsensibilität scheint auf sie wie Zauberei zu wirken,
Magie. Das kann bei ihnen Ängste auslösen. Und für den „Zauberer“ auf
dem Scheiterhaufen enden.

Es ist möglicherweise gesünder unsere Fähigkeiten hinter einer Maske
zu tragen, um die anderen nicht zu verunsichern. Aber für uns
Hochsensible selbst ist es wichtig unsere Fähigkeiten in uns nicht zu
unterdrücken. Vielmehr zu stärken und zu schulen. Und uns nicht zu
Sklaven der Erwartungen und Maßstäbe zu machen. "
[...]

Gibt einen auch ziemlich zu denken, nicht?
Naja, vielleicht findet sich der eine oder andere, der zum Thema noch
was sagen kann. Hoffe ich zumindest...

Gruß,
msky
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Gertraude



Anmeldungsdatum: 28.02.2008
Beiträge: 169

BeitragVerfasst am: 03.04.2008 19:42    Titel: Re: Empathie - Fluch oder Segen? Antworten mit Zitat

msky hat Folgendes geschrieben:


Hypersensibilität ist eine angeborene und/oder erlernte "Überempfind-
lichkeit" gegenüber Alltagsdinge. Und manchmal so empfindlich, dass der
Betreffende kaum noch fähig ist, Beruf und Freizeit aufgrund der häufigen
Reizüberflutung, nachzugehen.
Nicht deshalb, weil der Betroffene unfähig ist, seine Welt uneingeschränkt
wahr zu nehmen, sondern weil er die Welt zu intensiv wahrnimmt.
Das kann ein Segen sein, aber auch ein Fluch, wenn man Berufs- und Freizeit-
einschränkung in Betracht zieht. Solche Menschen neigen auch oft dazu,
Depressionen und Angststörung zu bekommen.


Ist ja auch kein Wunder, daß man Angstörungen und/ oder Depris bekommt, wenn man merkt, daß das, was für den Durchschnittsbürger belangloser Alltag zu sein scheint, für einen selbst eine endlose Abfolge schwer ertragbarer und/ oder erschreckender Dinge und Erlebnisse ist.
Welcher Betroffene sieht da sein Schicksal nicht hauptsächlich als Fluch an?



msky hat Folgendes geschrieben:

Empathische Menschen (gerade die Hypersensiblen) haben eine ausge-
prägte Stärke, sich in ein anderes Lebewesen hineinzufühlen und damit
sein Denken und Handeln sehr menschlich (durch Mitgefühl) zu erwägen.
Der Dalai Lama z.B. ist ein sehr empathischer Mensch.

Ich stelle mal die These auf, dass jeder Angsthase hier irgendwo
hypersensibel und empahisch ist. Ich persönlich neige zur HS, was
manchmal sehr schwierig zu meistern ist. Aber ich empfinde es mehr als
Segen, weil ich mich so mag, wie ich bin!


Ich habe mir schon öfter in schwachen Momenten - siehe meine Signatur Wink gewünscht, ich könnte so durchschnittlich und normal sein wie "Hinz und Kunz". Dann würde ich einfach mit dem Strom schwimmen, würde mich an Dingen erfreuen, an denen sich die Masse erfreut (Urlaub, Feiern, Sport, Garten, Schwätzchen mit den Nachbarn...), hätte vor dem Angst, wovor auch alle anderen Angst haben (Krieg, Sterben, Schmerzen, Verluste...) und hätte die gleichen Ziele, wie die meisten: Heirat, Kinder, Häuschen, Job – fertig.
Stattdessen quäle ich mich irgendwie schon mein Leben lang herum mit mir. Ich litt schon immer besonders stark unter ekelhaften menschlichen Charakteren, schlimmen Ereignissen, Ungerechtigkeiten (vor allem gegenüber wehrlosen Geschöpfen) – und eben auch unter besonders empfindlichen Sinnen. Wenn ich durch belebte Innenstädt laufen muß, schirme ich mich meist ab, indem ich den Blick fast immer gesenkt halte. Früher dachte ich immer, ich tue das, weil ich schüchtern bin. Heute weiß ich, daß es aus Schutz vor der Überflutung mit unangenehmen Schwingungen geschieht. Diese Schwingungen gehen von so vielem aus, vor allem von Menschen. Aber auch von der menschgestalteten "Umwelt", also zubetonierte Straßen ohne Bäume, häßliche Architektur, aufdringliche Schaufensterauslagen, verteilter Unrat usw. Man könnte auch sagen, ich leide unter der Welt, so wie sie eingerichtet ist, weil ich wahrscheinlich zu viel sehe – vor allem mit dem inneren Auge.
_________________
Mit Wünschen sollte man vorsichtig sein
- sie könnten wahr werden.
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Nudl
Gast





BeitragVerfasst am: 04.04.2008 09:59    Titel: Antworten mit Zitat

Wow getraude..du sprichst mir aus der Seele.

Du glaubst nicht wie erleichternd es ist, zu hören ,das man nicht der Einzige ist, der sowas hat. Ich kam mir ne Zeit lang doch schon vollkommen bescheuert vor. Aber als ich dann in die Klinik kam und sah es gibt noch einige Andere, war ich erleichtert und so geht es mit jedesmal, wenn ich Jemaden treffe der vieles ähnlich oder gleich sieht wie ich.

Hab das gestern versucht meinem Mann zu erzählen mit Emphatie und so...er hat ned richitg zugehört Crying or Very sad fand ich doof. manchmal is er voll "unsensibel". er hat sich zwar irgendwann entschuldigt, aber weiß immernoch nicht genau was ich ihm da sagen wollte. ich werds weiter versuchen! vielleicht geb ich ihm paar ausschnitte zu lesen aus diesem Forum.

Grüßle Vivi
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