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Krankhaftes Bedürfnis nach absoluter Freiheit

 
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Plusch



Anmeldungsdatum: 19.03.2007
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 19.03.2007 15:30    Titel: Krankhaftes Bedürfnis nach absoluter Freiheit Antworten mit Zitat

hallo

ich bin agnes.
ich leide seit ca. 4-5 jahren an schweren angstattacken/-zuständen. ich kann keinen eigentlichen auslöser nennen, noch sind meine attacken auf ein bestimmtes objekt oder situation bezogen – ich bekomme sie immer, wenn ich mich in einer situation befinde, wo ich nicht ganz frei bin. ich kann nicht normal reisen, ins restaurant oder kino oder zum frisör gehen, sich mit freunden treffen usw. ich habe irgendwie ein krankhaftes bedürfnis nach freiheit. ich muss immer einen fluchtweg offen haben (d.h. z.b. immer mit eigenem auto ankommen, sodass ich jederzeit nach hause fahren kann, immer nah an einer toilette sitzen, sodass ich flüchten kann, wenn es mir übel wird), dann geht es mir weniger schlecht.
ansonsten falle ich komplett auseinander. ich muss ständig auf die toilette, glaube mich ständig übergeben zu müssen, mir wird heiss und kalt, das herz rast, ich habe kopfschmerzen und zittere… wenn ich so nervös bin, kann ich verständlicherweise nicht essen, wenn ich aber nicht esse, fühle ich mich noch schwächer, und dann kommt noch mehr panik und so schliesst sich der kreis Sad der teufelskreis…

ich weiss, dass diese unbegründete angst nur in meinem kopf ist, aber wenn ich eine attacke habe, dann denke ich nur daran, schnell zu flüchten und mich zuhause in einer ecke zu verkriechen und nicht daran, mich jetzt mit ein paar klugen motivationssprüchen wieder aufzumuntern.
meinen freundeskreis habe ich fast auf 0 reduziert, ich gehe kaum aus und drücke mich vor jeder reise, party u.ä. Crying or Very sad

ich habe schon so viel ausprobiert und nichts schien wirklich zu funktionieren. medikamente nehme ich keine. ich habe angst, dass ich dann ohne sie nicht funktionieren kann. ausserdem liebe ich das auto fahren und viele antidepressiva und beruhigungsmittel machen einen fahruntüchtig.
übermorgen muss ich auf eine geschäftsreise – ich spüre schon das grosse kribbeln im bauch und habe kopfschmerzen. ich werde 5 stunden lang mit jemand in einem auto fahren müssen, dann fremdes hotel, dann ein geschäftsmeeting und wahrscheinlich auch –essen und dann noch der weg zurück… eine tortur Sad ich will nicht mal denken, wie es mir gehen wird… Crying or Very sad

ich hoffe, dass ich hier ein paar personen finde, denen es so wie mir geht und die mir so viele positive energie schicken werden, dass ich diese reise überstehe.
danke im voraus und viele grüsse an alle

agnes
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Verfasst am:     Titel: Anzeige

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casyjopaya75



Anmeldungsdatum: 21.03.2007
Beiträge: 27

BeitragVerfasst am: 23.03.2007 19:09    Titel: Antworten mit Zitat

hallo agnes

ich sehe bei dir eine ganz gewöhnliche Panikattacke. Es hat bei dir nämlich eher nicht den Auslöser, dass du stets "Freiheit" brauchst, sondern es ist die Folge einer leider hier überwiegende Angs- bzw. Panikstörung.

Denn dein Bedürfnis nach "Freiheit", wie du sie beschreibst, hat man immer in einer Panikattacke. Ich will auch immer die Möglichkeit haben, zu "flüchten", oder eben fahre ich auchselbst, um selbst nach Hause zu können, wenn mir danach ist. Es ist eine Arzt Kontrollzwang! Du willst die Kontrolle über alles behalten. Ein Kinobesuch geht bei dir sicher nur, wenn du direkt neben der Tür deinen Platz findest. Vorher klärst du bestimmt durch "Kontrolle" ab, ob die Tür geöffnet ist, um sicher zu stellen, dass du flüchten kannst.

Es ist also eine Art "Fluchtgedanke", der durch die Angst ausgelöst wird. So was nennt man auch PLATZANGST. Fälschlicherweise denken nämlich viele, dass Platzangst sich nur auf enge Räume bezieht. Dem ist aber nicht so! Ich gehe z. B. zur Zeit nicht raus und beim Facharzt wird es auch als Platzangst bezeichnet. Sie entsteht, wenn man meint, nicht flüchten zu können. So wie eben bei dir!und bei MIR!

Ich sichere mich auch stets ab, ob ich flüchten kann, wenn mich das Gefühl mal wieder überkommt. Doch es ist eine Begleiterscheinung der eigentlichen Angsterkrankung! Sprich dringend mal mit einem Neurologen drüber! Und keine Scham, ein Neurologe ist ein Facharzt dafür und auf dauer besser geeignet, als ein Hausarzt. Denn du musst was dagegen tun, sonst beherrscht es dich irgendwann richtig!

Liebe Grüße
Sandra
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dagobert



Anmeldungsdatum: 24.03.2007
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 24.03.2007 22:42    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

Ich leide selbst seit 1,5 Jahren an Panikattacken. Agnes, dass was du hier beschreibst hätte ich mir am besten selbst von der Seele schreiben können. Dieser ständige Fluchtgedanke und Kontrollzwang. Eigenes Auto und Toillete müssen bei geschlossenen oder schlecht verlassbaren Orten sein.

Bei mir ist das Problem neben der Panik die aufkommt auch das Gefühl gleich loszuheulen. Es engt mich so sehr ein. Ich habe Angst dass jmd. nachfragt oder ich meine Krankheit zeigen muss. Deshalb drängt es mich immer mehr in die Isolation. Arbeit habe ich keine. Inzwischen fallen mir die Vorstellungsgespräche schon zu schwer. 1 Std. in einen Raum zu sitzen und diese Qualen durchhalten - schrecklich.

Mache jetzt aber eine Therapie und hoffe das es mir helfen wird. Medikamente nehme auch ich aus dem gleichen Grund wie du nicht.

Mich würde interessieren was du eigentlich genau dagegen versuchst zu machen. Wie reagierst du, wenn dich ein Anfall überkommt.

Es fällt mir schwer damit umzugehen und für eine Lösung wäre wohl jeder mit diesem Problem dankbar. Gedult muss wohl helfen und die Hoffnung das es besser wird.

Mfg
Dagobert
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casyjopaya75



Anmeldungsdatum: 21.03.2007
Beiträge: 27

BeitragVerfasst am: 25.03.2007 13:49    Titel: Antworten mit Zitat

hallo nochmal

also ich nehme schon medikamente, genau gesagt, seit 2 Jahren! Ich meinte nur, ich habe lange gebraucht, BIS ich mich dazu überwinden konnte, eben weil ich angst vor den Nebenwirkungen hatte. Ich glaube, ganz ohne, wäre ich viel viel schlimmer dran gewesen.

Wie ich mich verhalte, bei einem Angstanfall, kann ich dir gar nicht genau beschreiben,weil ich dann immer so was wie einen BLACKOUT habe, denke ich zumindest. Ich renne dann auf und ab (wenn ich in der Wohnung einen bekomme), greife zum Telefonhörer, rufe irgendjemanden an, nur, um mich dann auf das Telefonat zu konzentrieren, in der Hoffnung, nicht so mich zu beobachten. Wenn mich draussen eine erhascht, dann renne ich meist richtung zuhause, aber ich habe gemerkt, wenn ich dann los renne, wird es ganz ganz schlimm, schlimmer, als wenn du dich dann einfach hinsetzt (auch auf der Straße (hauseingang etc) und den Anfall voll ausschreiten lässt. Wenn ich das überstanden habe, gehe ich ein paar meter weiter, kommt dann wieder eine, was meistens so ist, setz ich mich wieder oder stehe einfach.. nur nicht rennen! Dann steigert sich die Angst und du denkst, die beine knicken weg. Ist bei mir so, Ich habe auch immer sehr grosse Angst, mich zu blamieren, dass ich in meiner Panik dinge tun könnte, die ich so nicht machen würde und alle es merken. Aber ich habe zugegeben festgestellt, dass man nix macht. Manche merken es nicht mal, nur man selbst denkt, "alle sehen mir das nun an.. die gucken so komisch".. aber dabei ist es, dass sie denken, du machst nur ne pause, und wenn du rennst, denken sie "sie hat es eilig".. mehr ja eigentlich nicht.

Ich habe mich lange geschämt und lang versucht, es geheim zu halten, doch das tu ich nicht mehr. Wenn mich jemand fragen würde, ich würde es sofort sagen, egal, was er denkt, denn sich verstellen, das übt druck aus und es macht noch kranker, weil die angst nur unterdrückt wird, sich aber dann auch aufstaut.

Ich weiss nur, ich lebe seit vielen Jahren damit und es gibt schreckliche Wochen, wo nix geht, aber es gab auch schon Tage, wo es ging, wo ich sogar ohne Angst alles machen konnte, kaum zu glauben, aber wahr. Jedoch denke ich, Medikamente tun schon ihren Teil dabei. Aber ich verstehe, wenn du dich sträubst, aber es geht manchmal nicht anders. Und wenn es zu unerträglich wird, musst du sie nehmen, weil dir dann sogar die nebenwirkungen egal sind. Und ich muss dazu sagen, ich kam damals in die klinik und da wird man nicht gefragt, ob man was einnehmen will. Du hast die Wahl zwischen Beruhigungsspritze, die aber nur kurz hält und ich lass mir nicht irgendwas einspritzen, wo ich keinen Zettel zu lesen kann. Daher habe ich mich irgendwann überwunden und bin heute sicher, ganz ohne wäre es noch viel viel schlimmer

schäm dich nicht, nehme die krankheit an und verstell dich nicht, denn das macht druck und krank

liebe grüsse
sandra
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