Angst-Forum
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Summerbird7



Anmeldungsdatum: 14.06.2010
Beiträge: 4

BeitragVerfasst am: 15.06.2010 09:13    Titel: Meine Geschichte Antworten mit Zitat

Hallo in die Runde,

ich hab mich hier neu angemeldet, weil ich schon seit einiger Zeit erst "nur" unter Angstzuständen gelitten habe, die sich nun zu Panikattacken entwickelt haben. Morgen hab ich meine erste Gesprächstherapiestunde. Da bin ich schon sehr stolz drauf, dass ich das geschafft habe. Vor 1 1/2 Wochen hatte ich einen Termin zur Erstberatung. Ich sollte danach ein bis zwei Nächte drüber schlafen, ob ich mich in die Hände der Therapeutin begeben möchte. Das hab ich getan. Ich denke, dass sie mir helfen kann, wieder ein vernünftiges, angst- und panikfreies Leben zu führen.

Nun zu meiner Person:

Iich bin 28 Jahre alt und seit Ende Mai arbeitslos. Bis zu diesem Zeitpunkt habe als Fremdsprachensekretärin und Assistentin der Geschäftsleitung gearbeitet. Die Arbeit gestaltete sich leider häufig als kompliziert, voller Reibungen und Schwierigkeiten und engte sehr ein. Anfangs hatte ich aber die Zähne zusammengebissen und mir gesagt, dass ich das schon schaffen würde. Eine zeitlang hatte ich dann auch das Gefühl, dass ich die Situation in den Griff kriegen würde. Leider war ich immer diejenige, die sämtliche Arbeit aufgebührt bekam - ob von Kollegen oder von der Geschäftsführung. Unterstützung fand ich leider nicht häufig, obwohl mein Chef versucht, eine privat-persönliche Beziehung aufzubauen und mich zu motivieren, war er dann gegenüber seinen anderen Mitarbeitern dann doch so, dass er keine Stellung bezog, wenn mich Kollegen dann übergingen, wenn ich Arbeitsanweisungen aussprach. Nach einiger Zeit kündigte mein Chef drei Mitarbeiter. Die Abteilung wurde aufgelöst, die Arbeit bekam ich. Die Verantwortung wuchs, ich habe wieder die Zähne zusammen gebissen und durchgehalten. Magen-Probleme und Kopfschmerzen waren an der Tagesordnung - aber ich funktionierte.

Ich habe dann im Jahr 2008 geheiratet. Mein Chef gab sich in dieser Zeit sehr freundlich und hat dann aber wieder auf der anderen Seite mich nicht entlastet. Wenn ein anderer Mitarbeiter (es waren mit mir dann drei, die übrig geblieben sind) Fehler machte, dann kam die Arbeit zu mir.

Ende 2008 kündigte er noch einer anderen Mitarbeiterin, stellte dann aber eine neue Mitarbeiterin ein, wir waren dann wieder zu Dritt. Mit der neuen Mitarbeiterin hatte ich endlich jemandem, mit dem ich etwas offener reden konnte.

Dann beantragte mein Chef 100 % Kurzarbeitergeld, verlangte aber von uns 100 % zu arbeiten...wir haben mitgemacht - das war nicht richtig, aber wir haben es trotzdem gemacht.

Nach einiger Zeit kündigte dann ein weiterer MA, die Geschäfte liefen äußerst schlecht, es passte der GF gut in den Kram. Meine neue Kollegin setzt dem GF die Pistole auf die Brust, dass er seine Kurzarbeit aufheben müsse, wenn nicht, würde sie eben 100 % zu Hause bleiben. Das wäre schließlich rechtlich so in Ordnung. Die KA wurde aufgelöst, nach einem halben Jahr. Wir sollten das Geld von der Differenz irgendwann bekommen...ich habe es bis heute nicht.

Letztes Jahr im Oktober kündigte er noch die andere MA. Ich blieb und war allein. Mit allen Aufgaben, mit allen Verantwortungen, als alleinige Ansprechpartnerin.

Im April hat er dann mich gekündigt. Ich wollte eigentlich selbst kündigen - davon weiß mein Chef nichts - denn ich hab es nicht mehr ausgehalten. Ständig war mich schlecht, ich hatte Kopfschmerzen, Magen und Darm-Probleme, konnte nicht abschalten. Ich war dann bei meinem Hausarzt, hatte mich dann beim Arbeitsamt erkundigt und als dann auch meine Gehaltszahlungen verspätet oder nur teilweise ankamen, weil er es nur gestückelt bezahlen konnte, war ich mit den Nerven am Ende. ZUm Glück bewilligte das Arbeitsamt mir dann die Zahlung von Arbeitslosengeld bei Selbstkündigung.

Zudem kommt, dass mein Mann bis Anfang des Jahres für eine Firma gearbeitet hat, die nicht zahlte und uns zwischenzeitlich bis zu 4 Gehälter fehlten. Er hat zum Glück nun wieder einen neuen Job, der ihm gut gefällt und bei dem es sehr gut läuft. Doch durch den ganzen Stress hatte ich dann noch im März eine Abgangsblutung. Mein Mann und ich wollen gerne Nachwuchs. Es war zwar nur eine knappe Woche, aber der Frauenarzt bestätigte dies dann auch noch.

Dann kam mir mein Chef zuvor und schrieb mir die Kündigung. Er müsse Insolvenz anmelden.

Nun waren wir eine Woche im Urlaub. Volle Ruhe - und ich hatte fürchterliche Nervositätsattacken. Es war grausam an den ersten Tagen. Ich konnte mich gar nicht beruhigen, hatte wieder Magen- und besonders Darmprobleme und kam nicht runter. Es war schlichtweg zu ruhig. Außerdem hatte ich dann große Angst, dass ich bei der Hochzeit nicht durchhalten würde, dass ich nicht funktionieren kann.

Vor einigen Jahren ist bei mir eine Lebensmittelunverträglichkeit diagnostiziert worden, die ich durch glutenfreies Essen eigentlich gut im Griff habe, trotzdem hab ich Angst auf Familienfeiern, im Auto, alleine im Zug, in der Straßenbahn oder in anderen Situationen, etwas falsches gegessen zu haben und dringend auf die Toilette zu müssen und dann nicht zu können.

Ich sprach sehr sehr viel mit meinem Mann, mit meinen Eltern, ging dann nach Jahren wieder joggen. Es ging allmählich besser. Aber besonders nach dem Essen hatte ich Tumult im Bauch.

Nach dem Urlaub war ich völlig ruhig. Ich hatte die Tage zuvor Baldriparan genommen, die aber irgendwie nicht richtig wirkten, und danach nichts mehr.

Zwei Wochen hatte ich dann einigermaßen Ruhe und dann hab ich abends einen Film geguckt, der sehr brutal gewesen ist (Tatsachenfilm über die Flucht im zweiten Weltkrieg) und das hat mich so aus den Latschen gehauen, dass ich im Bett eine wahnsinnige Panikattacke bekam und Gedanken durch meinen Kopf rasten wie: "Das ist so schlimm, ich habe Angst, das sowas wieder passiert, eventuell auch mir etc.!"

Auch jedes Mal, wenn ich vor einer aufregenden Sache stehe, habe ich Angst. Ich kann damit unheimlich schlecht umgehen. Dann die ganzen Sachen vorher, die vorgefallen sind - mein Nervenkostüm ist unglaublich angegriffen. Ich habe das Gefühl gehabt, dass ich in ein Loch falle und dass es alles sehr schwarz ist und sehr negativ.

Früher war ich ein so lebensfroher und lebensbejahender Mensch, jetzt hab ich häufig einfach irrationale Angst. Ich hoffe, dass mich die Gesprächstherapie wieder "komplett fröhlich" macht. Ich möchte wieder neuen Lebensmut, neue Freude, nicht so viele Gedanken in meinem Kopf haben und eine gesunde Einstellung zu Aufregung, Angst etc. Ich hoffe, dass mir das auch wieder gelingt.

Vielen lieben Dank Euch schon mal im Voraus für Kommentare.

Summerbird7
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curry



Anmeldungsdatum: 23.06.2009
Beiträge: 51

BeitragVerfasst am: 20.06.2010 16:59    Titel: Antworten mit Zitat

hey summerbird 7,

ich glaube dein akku ist total leer,wenn nicht sogar defekt!bei so vieler belastung!

ich finde es gut das du jetzt eine gesprächstherapie machst!und ich denke sie wird dir helfen!
erstmal alles gute! und meld dich wie es dir hilft.

mfg
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Gertraude



Anmeldungsdatum: 28.02.2008
Beiträge: 169

BeitragVerfasst am: 22.06.2010 17:36    Titel: Re: Meine Geschichte Antworten mit Zitat

Summerbird7 hat Folgendes geschrieben:
...Zwei Wochen hatte ich dann einigermaßen Ruhe und dann hab ich abends einen Film geguckt, der sehr brutal gewesen ist (Tatsachenfilm über die Flucht im zweiten Weltkrieg) und das hat mich so aus den Latschen gehauen, dass ich im Bett eine wahnsinnige Panikattacke bekam und Gedanken durch meinen Kopf rasten wie: "Das ist so schlimm, ich habe Angst, das sowas wieder passiert, eventuell auch mir etc.!"
...
Auch jedes Mal, wenn ich vor einer aufregenden Sache stehe, habe ich Angst. Ich kann damit unheimlich schlecht umgehen...




Das kommt mir sehr bekannt vor. Früher konnte ich bei jedem Ereignis, was anders war als der banalste Alltag, fast schon darauf warten, daß ich Angst und Panik bekomme.
Seit meiner Therapie ist das wesentlich besser geworden, denn ich weiß inzwischen, worin die Ursachen liegen und ich habe inzwischen oft genug erlebt, daß ich letztlich doch stärker bin als diese Attacken und weder daran sterbe, noch ihnen völlig hilflos ausgeliefert bin. Natürlich bin ich trotzdem vorsichtig und vermeide (wenn es sich einrichten läßt), übermäßige Belastungen wie z.B. brutale Filme, schlimme Berichte über Tierquälerei o.ä.
Ich versuche immer die Belastungen wohl zu dosieren, wenn ich schon nicht drum herum komme.

Inzwischen habe ich sogar den Führerschein geschafft und zwinge mich jeden Tag hinters Lenkrad, um ja nicht eine Hürde aufzubauen. Das ist hilfreich für den Erhalt meiner Fahrtüchtigkeit und ebenso für mein sonstiges Leben, denn die Eigenschaften, die für's Fahren notwendig sind, helfen mir auch sonst. Wenn ich mich total mies fühle, kann ich auch schlecht Auto fahren, schaffe ich es aber trotzdem hinters Lenkrad, geht es mir anschließend wieder besser.
Dabei hilft mir auch, daß ich es mir viele Jahre gewünscht habe, Auto fahren zu können und ich versuche, das Autofahren auch zu genießen und nicht dauernd darüber nachzudenken, was alles passieren könnte. Statt dessen versuche ich, diszipliniert und vorausschauend zu fahren und das Ganze trotzdem irgendwie "locker" zu nehmen - ohne in Leichtsinn zu verfallen.
_________________
Mit Wünschen sollte man vorsichtig sein
- sie könnten wahr werden.
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stelo



Anmeldungsdatum: 19.07.2009
Beiträge: 37
Wohnort: RLP

BeitragVerfasst am: 22.06.2010 20:31    Titel: Antworten mit Zitat

hallo summerbird,

ich denke auch, dass deine akkus leer sind. ein mensch kann nicht auf dauer solchen überbelastungen stand halten. wir sind menschen und können nicht auf dauer mit vollgas funktionieren funktionieren funktionieren. irgendwann meldet sich dann der körper mit diversen symptomen, so wie auch du sie erfahren hast, und will damit sagen "hallo, weißt du eigentlich was du da machst? mir geht es damit gar nicht gut - ICH KANN NICHT MEHR!"

hast du mal ein paar gänge zurück geschaltet?

gruß steffi
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Summerbird7



Anmeldungsdatum: 14.06.2010
Beiträge: 4

BeitragVerfasst am: 24.06.2010 09:07    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Ja, das kann man wohl so zusammenfassen. Ich konnte wirklich nicht mehr.

Ich war nun auch noch vor einigen Tagen bei einem Arzt, der auf Psychotherapie und Psychosomatik spezialisiert ist und zwei sehr guten Freunden von uns auch schon geholfen hat.

Der hat nun gesagt, dass es sich bei mir um eine generalisierte Angststörung handelt und dass das daran liegt, dass ich die ganze Zeit auf Hochtouren gefahren bin und der Körper in einer Tour Adrenalin ausgeschüttet hat und kein Serotonin.

Er hat mir nun auch was aufgeschrieben, dass dafür sorgt, dass das Gehirn wieder vermehrt Serotonin ausschüttet. Er meinte, dass die erste Woche schlechter wird (sog. Erstverschlechterung), die zweite besser und in der dritten Woche soll es mir wohl wieder gut gehen. Ich bin gespannt. Ich gönne mir viel Ruhe im Moment, auch wenn ich kribbelig bin und natürlich immer noch innerlich unruhig. Aber ich habe ein gutes Gefühl, dass es besser wird und besser und besser und besser.

Ich muss auch jeden Tag anrufen und Bericht erstatten. So sagte er heute Morgen zu mir, dass wir meinen Schlaf im Auge behalten müssen, da ich nach 4 Stunden wach bin und mich hin- und herwälze und dann erst wieder später einschlafe. Dann müssten wir da rechtzeitig gegensteuern. Hab da auch nen guten Arzt erwischt und bin zufrieden.

Einen Gang hab ich auch zurück geschaltet und ehrlich gesagt, mach ich mir ganz wenige Gedanken darüber, wie es beruflich weiter gehen soll. Ich bin ja nun arbeitslos, aber ich versuche, als Priorität zu sehen, dass es mir erst mal wieder gut geht.

Mit dem Autofahren ist das bei mir so ne Sache. Ich hatte meine erste Panikattacke im Auto und ich versuche nun kleine Strecken immer mal wieder zu fahren (hab aber selbst kein Auto). Wie ich das wieder in den Griff kriegen kann, das weiß ich leider auch noch nicht... Rolling Eyes

Aber auch ein Weg von 1000 Meilen beginnt mit dem ersten Schritt...

In diesem Sinne wünsche ich Euch einen sonnigen Donnerstag.
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